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Warum wir unser Freilerner-Leben in Frage stellten

 

 

Mallorca von einer seiner/ihrer schönsten Seiten zum Neujahrstag- und wir mittendrin.

 

In diesem Video Aufnahmen von unserer Neujahrswanderung, auf der es die Familie drängte zu sprechen über das, was wir vor allem in den letzten Monaten durchlebt hatten und was zu teilweise heftigen Auseinandersetzungen geführt hatte.

 

In der Hauptsache beziehungsweise an der Oberfläche ging es um das Thema Schule und Struktur. Vor allem mir, Eva, war es ein Anliegen, unser bisheriges Freilernertum nochmal auf den Prüfstein zu stellen und Sicherheit und strukturierte Entfaltung für die Kinder in einer Schule zu suchen.

Zu dicht schien es manchmal in der Familie, zu viel Chaos und Enge, was an vielen Stellen zu Konflikten führte. Die Schule schien mir ein - bis nicht der einzig logische Ausweg aus dieser Situation.

 

Etwas tiefer in den Bewegkräften dieses Prozesses wirkte das Thema Druck.

 

Wie viele Menschen im Kollektiv haben auch wir in den letzten Jahren eine weitgehende  Erfahrung damit gemacht.

 

Wir haben uns in den letzten Tagen nochmal Gedanken zu Physik und Psychologie gemacht.

 

  • Druck wird nur dann unangenehm, wenn man nicht einverstanden ist mit der Richtung, in die er einen bewegen will.
  • Wenn der Druck sehr gross ist, kann man dazu neigen, sich einzureden, mit der Richtung einverstanden zu sein, um dies der Gefahr vorzuziehen, sich in ein emotionales bis existentielles Chaos des Widerstands zu stürzen.

 

  • Letzteres macht angreifbar, isoliert und führt in die Unsicherheit.
  • Ersteres hingegen vermittelt dem gegenüber fast schon ein Gefühl der Geborgenheit. Eine Geborgenheit in etwas, was zur Normalität erklärt wird und eine Geborgenheit in der so oft zitierten „guten  Gesellschaft“ derjenigen, die anscheinend völlig souverän und ruhig in die vorgezeichnete Richtung schreiten.

 

Wir als Familie haben uns oftmals die Freiheit herausgenommen, dem Druck auszuweichen. 

So haben wir die letzten beiden Winter im Ausland verbracht.

Nicht mal eben so, denn natürlich haben auch solche Aktionen ihren Preis und letztendlich ging das Gefühl, im Exil zu wohnen, nie weg.

 

Und ganz ausweichen konnten wir ohnehin nicht, da es ein kollektives Geschehen ist und wir den im Aussen ausgeübten Druck auch in uns selbst haben.

Denn wie im Aussen, so auch im Innen und deshalb ist der Druck auch in uns.

 

Durch Gedanken, Vergleiche, Ängste, Reaktionen, habe vor allem ich, Eva, gerade in den letzten Monaten einen enormen Druck auf mich selbst ausgeübt. Ursachen dafür gab es diverse.

 

Weitergeleitet und ausgetragen hatte er sich schliesslich vorwiegend in der Diskussion, ob die Kinder doch wieder in die Schule gehen.

„Damit der Zug nicht abgefahren ist. Sie noch die Möglichkeit bekommen, etwas zu erreichen, womit sie sich Chancen und Integration angedeihen lassen können.

 

 

Vor allem eines habe ich begriffen: 

Die Logik, mit der ich so und noch weiter argumentiert habe, war die Logik der Persönlichkeit. Die Persönlichkeit wurde wiederum von der Gesellschaft erschaffen.

Die Gesellschaft hat auch die Kraft inne, zu suggerieren, was real ist.

Deswegen wirken die Argumentationsketten der Persönlichkeit alle so scheinbar unwiderlegbar in ihrer Logik und ihrem Sinn für Realität, denn sie hat eine ganze Gesellschaft im Rücken.

 

Die Stimme des Herzens scheint demgegenüber so, als könnte sie nichts in die Waagschale werfen, ausser ein wages Gefühl, dass man beispielsweise gerade dabei ist, sich zu verrennen. Doch wenn ich nicht weiter hinlausche, bleibt dieses Gefühl nur ein Gefühl und ich öffne mich nicht für Bilder, Wahrnehmungen, Angebote, die sich zu möglichen Alternativen verdichten können.

 

Mit einem „Was soll ich denn schon anderes machen!?“ kann ich solche Gefühle schnell übergehen und lieber „Tatsachen schaffen“.

 

Alle in allem war es ein sehr intensiver und wertvoller Prozess, zum Beispiel dahingehend , dass wir unser Freilerner Leben jetzt noch mehr zu schätzen wissen.

 

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Shabani Kerstin (Montag, 09 Januar 2023 15:42)

    Grüß euch ihr Lieben,
    ihr habt mein ganzes Mitgefühl und ihr seit nicht allein. Es denken schon mehr Eltern darüber nach, dass das Schulsystem nicht gut ist in seiner jetzigen Form.
    Ihr seit doch ein Vorbild für die ganze Welt!!!!!!!!!!!! Ich meine das wirklich so!!!!!!
    Schaut doch mal hin wie sensibel eure Kinder sind. Das ist toll! Und wie die mitkriegen, dass der Druck nicht für sie funktioniert. Ich an eurer Stelle würde alle Zweifel loslassen.
    Und das ihr das gemeinsam gemeistert habt ist wunderbar. Eva und Andre ihr seit einfach tolle Menschen und tolle Eltern. Weiter so!!!!! Bleibt dran und gebt nicht auf. Die Sicherheit gibt es nur im inneren. Nichts im außen kann einem Sicherheit geben.
    Ärger, Aggression und Wut kommen von Urteil. Sucht es und lasst es los und vergebt.
    Alle Welt ist bestrebt sich und die eigene Seele besser kennen zu lernen. Das lebt ihr doch schon vor. Ihr könnt so viele unterstützen. Nur Mut!!!! Für mich ist euere Familie ein Vorbild. Ich liebe euch.
    Herzliche Grüße Shabani Kerstin

  • #2

    André und Eva (Mittwoch, 11 Januar 2023 14:51)

    Liebe Shabani,
    es freut uns sehr, von Dir zu hören. Von Herzen Dank für die Kraft und die Unterstützung, die durch Deine Worte wirkt.
    "Ärger, Aggression und Wut kommen von Urteil. Sucht es und lasst es los und vergebt." Genau so ist es - die Klarheit kann erst kommen, wenn sich Emotion und Urteil voneinander lösen. Das ist ein alchemischer Prozess... manchmal ein ganz schön harter Brocken.
    Wir freuen uns, in unserem Menschsein darin immer ausgerichteter, besser und schneller zu werden und durch unsere Beiträge auch andere dahingehend zu begleiten.
    Liebsten Dank nochmals Dir für Dein Da Sein und einen freudigen Gruss an Deine Familie! André und Eva

  • #3

    Freie Familie Dresden (Montag, 03 Juli 2023 23:36)

    Liebe Eva, lieber André,
    bitte hört weiterhin auf "Eure" Kinder, denn diese sind so göttlich.
    Aber: "Eure" Kinder werden erst frei sein, wenn es alle Kinder dieser Welt sind.
    Unser Konzept dafür: "Völlige Freiheit für alle Kinder"
    Unser Hilfsmittel: Fragebogen "Kinderwille zu freiem Lernen"
    Alles darüber findet Ihr auf unserer Webseite und in unserem Blog.
    Schön wäre, wenn Ihr weiterführende Gedanken zur Umsetzung wie auch (harte) Kritik an unseren offenbarten Wahrheiten mit uns teilen könntet. Gern unter den konkreten Blogartikeln.
    Liebe Grüße aus Dresden